Oldenburg & ich
Zuletzt war ich in Oldenburg 2022, also ist es dringend Zeit, wieder dorthin zu fahren. Mit Julia und zu Ally.
15.8.2026: Fahrt nach Oldenburg
Julia und ich starten bei Julia in Berlin Köpenick. Der Wecker klingelt um 8.30 Uhr. Nach einem Frühstück gehen wir um 9.40 Uhr zum Köpenicker S-Bahnhof, Julia mit einem Rollkoffer und einem Rucksäckchen, ich mit einem ausgewachsenem Rucksack. Es ist sehr warm. Zu warm vielleicht, aber in Oldenburg soll es kühler werden, also lohnt es sich sicher. Beim Köpenicker S-Bahnhof wird gerade umgeräumt und ausgebaut, sodass die Menschen um den Bahnhof herum geschleust werden und dann einseitig zum Bahnsteig kommen. Auch der Zugverkehr findet pendelnd nur auf einer Seite statt.
Wir steigen in die S-Bahn und fahren zuerst zum Ostkreuz und von dort weiter zum Hauptbahnhof. Beim Hauptbahnhof haben wir ob unseres etwas früheren Starts (wir hatten lieber eine S-Bahn früher genommen) etwa eine halbe Stunde für den Umstieg Zeit. Als die Regionalbahn in Richtung Stendal ankommt, merken wir, dass die angekündigte »mittlere Auslastung« ein Euphemismus war. Der hintere Wagen fährt nur zu Dekozwecken mit, alle Türen sind hier zu, in den anderen Wagen ist umso mehr los und wir stehen eine Weile dicht gedrängt mit Anderen im Gang -- bis Elstal. In Elstal steigen gefühlt alle aus und wir finden einen Sitzplatz. Was will man in Elstal? Karls Erlebnisdorf ist dort, ist das das Ziel? In Stendal ist der Umstieg unspektakulär und so geht es gleich nach Uelzen weiter.
Uelzen ist nicht nur der Hundertwasserbahnhof, sondern gegen die Langeweile der Bahnfahrt hatte sich die Deutsche Bahn hier ein spezial gelagertes Sonderrätsel ausgedacht: In der App heißt es, dass aus Gründen ein Schienenersatzverkehr stattfinden könnte. Mit Ausrufezeichen und einer verlinkten PDF, in der eine sehr kryptische Tabelle ist, aus der ich herauslese, dass zu einer 10%igen Wahrscheinlichkeit der Zug mit Bussen ersetzt werden könnte. Tatsächlich fährt aber ein Zug. Entspannung auf dem vorletzten und längsten Streckenabschnitt nach Bremen. Hier spiele ich mit der Switch ein bisschen Zelda Tears of the Kingdom, was sehr dazu beiträgt, dass die Zeit förmlich verfliegt. In Bremen nehmen wir wie vereinbart die komischerweise zu früh fahrende RS3. In der RS3 sitzend bemerke ich, dass wir die RS30 abwarten hätten sollen, denn die RS3 hat 11 Haltestellen bis Oldenburg, die RS30 aber nur 3, sodass die RS3 trotz früherer Abfahrt später ankommen wird. Ally wartet bereits am Gleis und wir fahren mit ihrem wendigen Rockflitzer zu ihr nach Hause. Es ist sehr gut, dass Ally auch schon Feierabend hat, es ist immerhin Samstag. Ich hatte beschlossen, keine Energy Drinks mitzunehmen, weshalb wir heute dringend noch welche für die nächsten Tage kaufen müssen. Glücklicherweise sind in Allys Nachbarschaft gleich vier Supermärkte und der Rewe davon hat auch am Samstag bis 23.30 Uhr geöffnet. Der Rewe bei mir zu Hause in Berlin Lichtenberg schafft nur 22 Uhr. Andererseits sind zu so später Stunde beim Oldenburger Rewe laut Ally nur raufende Trunkenbolde und trunkene Raufbolde unterwegs.
Wir sind immerhin zu dritt und gehen dennoch los. Im Rewe ist keine Keilerei, dafür sind viele junge Menschen hier, die wohl neben dem Studium nachts auch mal einkaufen müssen. Ich finde drei Dosen Energydrink, wir nehmen auch noch etwas fürs Frühstück mit und gehen zurück durch die erfrischende Nacht.
Nach einer Dusche geht es dann auch schon ins Bett.
16.8.2026: Interview und Nordsee
Wir stehen um 9 Uhr auf und frühstücken, um danach zum O1-Studio zu fahren.
Nach dem Interview fahren wir an Emden vorbei zur Küste quasi, jedenfalls zum Fischrestaurant de Beer Greetsiel in Krummhörn. Hier kommen wir etwa um 13 Uhr an. Ich hatte mir bei der Planung naiverweise gedacht, Blick aufs Meer zu haben, aber den gab es nicht zuletzt der Deiche wegen nicht. Stattdessen sehen wir Straße und Landschaft. Ich sehe ohnehin viel Landschaft bei diesem Ausflug. Beim Restaurant bestellen wir bei der Theke, ich nehme einen Matrosenteller, schließlich gibt es allerhand maritime Dekoration hier. Das Essen ist extrem üppig, drei Fische mit Kartoffeln sind es und tendiert optisch zu Monochromie.
Mit vollem Bauch geht es danach weiter, wir fahren mit dem Auto am Deich entlang, der aber abgesperrt ist, sodass wir erst kurz vor dem Ort Norddeich einen Zugang hoch auf den Deich finden. Wir halten also und überqueren den Deich und sehen erstmals die Nordsee und am Horizont auch Norderney.
Windig ist es und das ist sehr angenehm. Wir fahren die letzten Meter bis Norddeich weiter. Hier ist es sehr belebt, aber hier gibt es auch Sandstrand.
Weil wir keinen Parkplatz finden, bleibt Ally im Auto zurück, während Julia und ich über den doch eher kleinen Sandstrand gehen. Sandburgen gibt es hier und Kanalsysteme, die Nordsee steht auf Flut.
Julia geht in die Nordsee, ich behalte selbstverständlich meine Schuhe an.
Zurück im Auto fahren wir weiter zu einem Café namens Cafe Aggi Huus in Dornum-Neßmersiel (ich denke mir diese Namen nicht aus). Die Bedienung versucht hier, mit Sprüchen zu punkten, was bei mir ein Hit & Miss ist. Ich trinke einen Ostfriesentee. Auch hier kann man das Meer nicht sehen. Mir fällt auf, dass hier die meisten Autos schleichend leise, weil E-Autos sind. Wir gehen zu dritt ein paar Meter Richtung Baltrumer Fährableger und machen dann ein paar Selfies, die Ally zur Bebilderung des Interviews nutzen kann.
Danach fahren wir weiter zum Ewigen Meer, einem Moorgebiet, das quasi auf der Strecke liegt. Wir parken beim Zugang zum Ewigen Meer und wandern eine Weile zwischen Birken umher.
Online steht zwar, dass der Rundweg kein Rundweg mehr wäre. Wir brechen ihn aber nur ob der Länge ab, er scheint aus qualitativ hochwertigen Planken gemacht zu sein, die zumindest für den Moment auch großen Ameisen trotzen.
Nach diesem Abstecher geht es weiter zurück zu Ally. Wir sind immer noch weitestgehend satt und nach einem Gute-Nacht-Toast ist schon wieder Schlafenszeit.
17.8.2026: Oldenburg
Ally muss heute arbeiten und ist schon nicht mehr zu Hause, als Julia und ich aufwachen. Wir frühstücken ausgiebig, chillen eine Runde mit Switches im Wintergarten und gehen dann in die Oldenburger Innenstadt. Ziel ist zunächst ein dm und dann das Restaurant Salmon coco, das von außen zwar unscheinbar, von innen aber atmosphärisch überzeugend ist. Das Essen ist sehr lecker. Ich bekomme am Rande mit, dass das Restaurant gerade mit dem Warmwasser struggelt, sodass ein Wasserwerkangestellter im Hintergrund ein paar Dichtungen fixt oder was man da so macht.
Nach dem Essen statten wir dem Geschäft Tee und Feine Confiserie einen Besuch ab, in dem es Tee, aber auch feine Confiserie gibt. Leider sind die Tassen etwas zu teuer, aber immerhin einen Tee kaufen wir. Die Bedienung ist sehr freundlich und entspricht somit der Teeladentradition. Als nächstes kommen wir eher zufällig bei der St. Lambertikirche vorbei, der ältesten Kirche Oldenburgs. Sie lockt uns mit »Kirche geöffnet« ins Innere. Hier finde ich im Vorraum den Spielbereich für Kinder ebenso interessant wie liminal.
Im Hauptraum hängt zentral ein übergroßes + in Holooptik, das die liminale Wirkung der Spielecke in gewisser Weise weiter trägt.
Beim Verlassen sehe ich im Nebenraum die mutmaßliche Kirchenobere beim Stricken. Julia und ich gehen weiter zum Schlossgarten, einen sehr gepflegten Park, in dem einerseits wirklich wenig Menschen, andererseits wirklich viele Gänse unterwegs sind.
Hervorheben möchte ich die seitlich der Wege angebrachten Gullis. Die Blumenbeete sind ästhetisch arrangiert und die Öffnungszeiten des Tropenhauses haben wir leider knapp verpasst.
Nach einer Weile gehen wir zurück in die Innenstadt und entdecken hier einen Lakritzladen mit dem klangvollen Namen »Süßholz«. Ich nehme eine Packung karamellisierter Lakritz und eine custom Zusammenstellung mit. Die Auswahl ist beachtlich und die Preise moderat.
Danach wiederum gehen wir zu dem Café »Cheers«, um ein Stück Kuchen und ein Getränk zu uns zu nehmen. Der Zitronenkuchen hat eine angenehme Fluffigkeit, der Käsekuchen ist aber sehr kompakt. Die auf der Karte ausgewiesene Homemade Lemonade gibt es leider nicht und der mit einem Glas Wasser gereichte Matcha ist solide, aber nicht umwerfend.
Hier sitzend beobachten wir die Oldenburger Passant*innen, die auf eine subtile Art posh sind.
Auf dem Rückweg zu Ally kehren wir erstmal bei Penny ein, um ein paar Snacks für die am nächsten Tag stattfindende Heimreise zu grabben. Den Abend verbringen wir dann bei Ally quatschend und auch zockend und lesend im Wintergarten.
18.8.2026: Rückfahrt über Bremen
Wir stehen um 8.30 Uhr auf, Ally ist natürlich schon wieder lohnarbeitstechnisch unterwegs, aber sie hat einen lieben Zettel hinterlassen. Wir packen und gehen zum Bahnhof.
Hier stehen der RS3 und der RS30 sich am Bahnsteig quasi für einen Showdown gegenüber und auch wenn der RS3 früher fährt, weiß ich ja jetzt, dass er länger brauchen wird. Tatsächlich begrüßen die Lautsprecher im RS30 uns mit der Ansage, dass es schlechte Nachrichten gäbe, weil der Zug erstmal auf unbestimmte Zeit nicht losführe. Also wechseln wir den Zug, um dann festzustellen, dass der auch betroffen ist. Also zurück zum RS30. Hier geht Bahnpersonal durch den Zug, um offene Fragen zu klären und es stellt sich heraus, dass es ein Gasleck gibt und der Zug deshalb so lange steht, bis das behoben ist. Nachdem die Begleitung durch den Zug gelaufen ist, ertönen die Lautsprecher: »Gute Nachrichten, wir können losfahren.« Die Zugbegleitung bekommt angemessenen Applaus und so landen wir mit wenig Verspätung in Bremen, wo wir den Koffer beim Bahnhof in ein Schließfach bringen und danach zum Gosch in der Innenstadt gehen, um hier ein Krabben- und ein Flusskrebsbrötchen zu essen.
Danach gehen wir über die Böttcherstraße zum Schnoor. Hier gibt es sehr viel historische Altstadt, die nicht nur von uns, sondern auch von Chines*innen gewürdigt werden.
Zurück beim Bahnhof holen wir uns Getränke bei einem Starbucks und ich muss sagen, dass ich noch nie so einen schlechten Matcha getrunken habe. Die Heimfahrt indes war unspektakulär und verlief wiederum über Uelzen, Stendal und den Hauptbahnhof. Lowlight waren hier zwei ältere Frauen, die sich in automatischen Sprechen verlierend über Wärmepumpen ausließen, nicht wissend, wie diese funktionieren, dann aber doch auch meinend, dass »die da oben« immer so täten, als wüssten sie alles und »dieses Selbstbewusstsein möchte ich auch mal haben«. Wieder in Köpenick grabben wir eine Melone beim hiesigen Aldi und erfreuen uns einer Dusche.
Jetzt bleibt nur die Frage, wann ich wieder ins Oldenburger Computermuseum (OCM) komme.
