15.08.2026-18.08.2026

Oldenburg & ich

Zuletzt war ich in Oldenburg 2022, also ist es dringend Zeit, wieder dorthin zu fahren. Mit Julia und zu Ally.

15.8.2026: Fahrt nach Oldenburg

Julia und ich starten bei Julia in Berlin Köpenick. Der Wecker klingelt um 8.30 Uhr. Nach einem Frühstück gehen wir um 9.40 Uhr zum Köpenicker S-Bahnhof, Julia mit einem Rollkoffer und einem Rucksäckchen, ich mit einem ausgewachsenem Rucksack. Es ist sehr warm. Zu warm vielleicht, aber in Oldenburg soll es kühler werden, also lohnt es sich sicher. Beim Köpenicker S-Bahnhof wird gerade umgeräumt und ausgebaut, sodass die Menschen um den Bahnhof herum geschleust werden und dann einseitig zum Bahnsteig kommen. Auch der Zugverkehr findet pendelnd nur auf einer Seite statt.

Mit Julia am Bahnsteig Berlin Köpenick
Abb. 1: Am Bahnsteig Berlin Köpenick.

Wir steigen in die S-Bahn und fahren zuerst zum Ostkreuz und von dort weiter zum Hauptbahnhof. Beim Hauptbahnhof haben wir ob unseres etwas früheren Starts (wir hatten lieber eine S-Bahn früher genommen) etwa eine halbe Stunde für den Umstieg Zeit. Als die Regionalbahn in Richtung Stendal ankommt, merken wir, dass die angekündigte »mittlere Auslastung« ein Euphemismus war. Der hintere Wagen fährt nur zu Dekozwecken mit, alle Türen sind hier zu, in den anderen Wagen ist umso mehr los und wir stehen eine Weile dicht gedrängt mit Anderen im Gang -- bis Elstal. In Elstal steigen gefühlt alle aus und wir finden einen Sitzplatz. Was will man in Elstal? Karls Erlebnisdorf ist dort, ist das das Ziel? In Stendal ist der Umstieg unspektakulär und so geht es gleich nach Uelzen weiter.

Uelzen Bahnhof
Abb. 2: Keine rechte Winkel sind ziemlich viele rechte Winkel.
Uelzen Bahnhof
Abb. 3: Die Fliesen sind (teilweise) nicht genormt.

Uelzen ist nicht nur der Hundertwasserbahnhof, sondern gegen die Langeweile der Bahnfahrt hatte sich die Deutsche Bahn hier ein spezial gelagertes Sonderrätsel ausgedacht: In der App heißt es, dass aus Gründen ein Schienenersatzverkehr stattfinden könnte. Mit Ausrufezeichen und einer verlinkten PDF, in der eine sehr kryptische Tabelle ist, aus der ich herauslese, dass zu einer 10%igen Wahrscheinlichkeit der Zug mit Bussen ersetzt werden könnte. Tatsächlich fährt aber ein Zug. Entspannung auf dem vorletzten und längsten Streckenabschnitt nach Bremen. Hier spiele ich mit der Switch ein bisschen Zelda Tears of the Kingdom, was sehr dazu beiträgt, dass die Zeit förmlich verfliegt. In Bremen nehmen wir wie vereinbart die komischerweise zu früh fahrende RS3. In der RS3 sitzend bemerke ich, dass wir die RS30 abwarten hätten sollen, denn die RS3 hat 11 Haltestellen bis Oldenburg, die RS30 aber nur 3, sodass die RS3 trotz früherer Abfahrt später ankommen wird. Ally wartet bereits am Gleis und wir fahren mit ihrem wendigen Rockflitzer zu ihr nach Hause. Es ist sehr gut, dass Ally auch schon Feierabend hat, es ist immerhin Samstag. Ich hatte beschlossen, keine Energy Drinks mitzunehmen, weshalb wir heute dringend noch welche für die nächsten Tage kaufen müssen. Glücklicherweise sind in Allys Nachbarschaft gleich vier Supermärkte und der Rewe davon hat auch am Samstag bis 23.30 Uhr geöffnet. Der Rewe bei mir zu Hause in Berlin Lichtenberg schafft nur 22 Uhr. Andererseits sind zu so später Stunde beim Oldenburger Rewe laut Ally nur raufende Trunkenbolde und trunkene Raufbolde unterwegs.

Fisto
Abb. 4: Raufbold Fisto steht Ally immer zur Seite.

Wir sind immerhin zu dritt und gehen dennoch los. Im Rewe ist keine Keilerei, dafür sind viele junge Menschen hier, die wohl neben dem Studium nachts auch mal einkaufen müssen. Ich finde drei Dosen Energydrink, wir nehmen auch noch etwas fürs Frühstück mit und gehen zurück durch die erfrischende Nacht.

Moin in Oldenburg
Abb. 5: Auf dem Rückweg vom Rewe.

Nach einer Dusche geht es dann auch schon ins Bett.


16.8.2026: Interview und Nordsee

Wir stehen um 9 Uhr auf und frühstücken, um danach zum O1-Studio zu fahren.

Gasher krault Katze
Abb. 6: Verabschiedung von Tiffy.

Ally hat die Schlüssel, sodass wir auch am Sonntag Zugang haben und hier ein Interview aufnehmen, das in rund einem Monat veröffentlicht wird. Ich war 2018 das letzte Mal im O1-Studio und gefühlt hat sich in der Zwischenzeit nichts verändert. Auf dem Computer läuft jedenfalls Windows XP und das kann ja auch erfrischend sein.

Im O1-Studio
Abb. 7: Wir waren im O1-Hörfunkstudio 2.
Im 01-Studio
Abb. 8: Beim Griff ins Glas der Wahrheit.
Im 01-Studio
Abb. 9: Aufnahme läuft.
Im 01-Studio
Abb. 10: Elegant in den Tisch eingelassene Fader (ich mag Fader).
Im 01-Studio
Abb. 11: Frutiger Aero Windows.

Nach dem Interview fahren wir an Emden vorbei zur Küste quasi, jedenfalls zum Fischrestaurant de Beer Greetsiel in Krummhörn. Hier kommen wir etwa um 13 Uhr an. Ich hatte mir bei der Planung naiverweise gedacht, Blick aufs Meer zu haben, aber den gab es nicht zuletzt der Deiche wegen nicht. Stattdessen sehen wir Straße und Landschaft. Ich sehe ohnehin viel Landschaft bei diesem Ausflug. Beim Restaurant bestellen wir bei der Theke, ich nehme einen Matrosenteller, schließlich gibt es allerhand maritime Dekoration hier. Das Essen ist extrem üppig, drei Fische mit Kartoffeln sind es und tendiert optisch zu Monochromie.

Fisch
Abb. 12: Monochromes Essen.

Mit vollem Bauch geht es danach weiter, wir fahren mit dem Auto am Deich entlang, der aber abgesperrt ist, sodass wir erst kurz vor dem Ort Norddeich einen Zugang hoch auf den Deich finden. Wir halten also und überqueren den Deich und sehen erstmals die Nordsee und am Horizont auch Norderney.

Nordsee
Abb. 13: Gasher entdeckt die Nordsee hinterm Deich.
Nordsee
Abb. 14: Nordseebrandung.

Windig ist es und das ist sehr angenehm. Wir fahren die letzten Meter bis Norddeich weiter. Hier ist es sehr belebt, aber hier gibt es auch Sandstrand.

Norddeich
Abb. 15: Blick vom Deich zum Ort namens Norddeich.
Drachen
Abb. 16: Drachen am Norddeich.
Drachen und Riesenrad
Abb. 17: Drachen und Riesenrad.

Weil wir keinen Parkplatz finden, bleibt Ally im Auto zurück, während Julia und ich über den doch eher kleinen Sandstrand gehen. Sandburgen gibt es hier und Kanalsysteme, die Nordsee steht auf Flut.

Sandtunnelei
Abb. 18: Kanalsystem im Sand.
Sandburg
Abb. 19: Sandburg.

Julia geht in die Nordsee, ich behalte selbstverständlich meine Schuhe an.

Hilfe zur Nordsee
Abb. 20: Haltehilfen.
Lässig am Strand
Abb. 21: Gasher, lässig am Strand.

Zurück im Auto fahren wir weiter zu einem Café namens Cafe Aggi Huus in Dornum-Neßmersiel (ich denke mir diese Namen nicht aus). Die Bedienung versucht hier, mit Sprüchen zu punkten, was bei mir ein Hit & Miss ist. Ich trinke einen Ostfriesentee. Auch hier kann man das Meer nicht sehen. Mir fällt auf, dass hier die meisten Autos schleichend leise, weil E-Autos sind. Wir gehen zu dritt ein paar Meter Richtung Baltrumer Fährableger und machen dann ein paar Selfies, die Ally zur Bebilderung des Interviews nutzen kann.

Selfie
Abb. 22: Gruppenselfie vor Minimoor.

Danach fahren wir weiter zum Ewigen Meer, einem Moorgebiet, das quasi auf der Strecke liegt. Wir parken beim Zugang zum Ewigen Meer und wandern eine Weile zwischen Birken umher.

Eingerahmter Gasher
Abb. 23: Eingerahmter Gasher.
Zwei Personen zwischen Birken
Abb. 24: Ally und Gasher in einer Birkenallee.

Online steht zwar, dass der Rundweg kein Rundweg mehr wäre. Wir brechen ihn aber nur ob der Länge ab, er scheint aus qualitativ hochwertigen Planken gemacht zu sein, die zumindest für den Moment auch großen Ameisen trotzen.

Ewiges Meer
Abb. 25: Schild zum Ewigen Meer.
Regeln
Abb. 26: Es gelten viele Regeln, aber auch ein Smiley.
Gasher im Wald
Abb. 27: Gasher im Wald.
Holzplanken
Abb. 28: Feinste Holzplanken.
Noch ein Minimoor
Abb. 29: Ewiges Meer.
Birke
Abb. 30: Birke am Ewigen Meer.
Baum
Abb. 31: Mächtiger Baum.
Farn
Abb. 32: Langsam Farn.
Birke
Abb. 33: Beschriftete Birke mit Innenleben.
Beeren
Abb. 34: Ungefährliche Beeren.
Gasher und Ally auf Planken
Abb. 35: Schnack mit Ally auf Planken.

Nach diesem Abstecher geht es weiter zurück zu Ally. Wir sind immer noch weitestgehend satt und nach einem Gute-Nacht-Toast ist schon wieder Schlafenszeit.


17.8.2026: Oldenburg

Ally muss heute arbeiten und ist schon nicht mehr zu Hause, als Julia und ich aufwachen. Wir frühstücken ausgiebig, chillen eine Runde mit Switches im Wintergarten und gehen dann in die Oldenburger Innenstadt. Ziel ist zunächst ein dm und dann das Restaurant Salmon coco, das von außen zwar unscheinbar, von innen aber atmosphärisch überzeugend ist. Das Essen ist sehr lecker. Ich bekomme am Rande mit, dass das Restaurant gerade mit dem Warmwasser struggelt, sodass ein Wasserwerkangestellter im Hintergrund ein paar Dichtungen fixt oder was man da so macht.

Lecker
Abb. 36: Ist so lecker wie es aussieht.

Nach dem Essen statten wir dem Geschäft Tee und Feine Confiserie einen Besuch ab, in dem es Tee, aber auch feine Confiserie gibt. Leider sind die Tassen etwas zu teuer, aber immerhin einen Tee kaufen wir. Die Bedienung ist sehr freundlich und entspricht somit der Teeladentradition. Als nächstes kommen wir eher zufällig bei der St. Lambertikirche vorbei, der ältesten Kirche Oldenburgs. Sie lockt uns mit »Kirche geöffnet« ins Innere. Hier finde ich im Vorraum den Spielbereich für Kinder ebenso interessant wie liminal.

Spielecke
Abb. 37: Lädt nahezu zum Spielen ein.

Im Hauptraum hängt zentral ein übergroßes + in Holooptik, das die liminale Wirkung der Spielecke in gewisser Weise weiter trägt.

Kircheninnenraum
Abb. 38: Kircheninnenraum mit +.
Holoplus
Abb. 39: Holoplus.

Beim Verlassen sehe ich im Nebenraum die mutmaßliche Kirchenobere beim Stricken. Julia und ich gehen weiter zum Schlossgarten, einen sehr gepflegten Park, in dem einerseits wirklich wenig Menschen, andererseits wirklich viele Gänse unterwegs sind.

Vogelinsel
Abb. 40: Vogelinsel im Schlossgarten.
Gänse
Abb. 41: Gänse im Schlossgarten.

Hervorheben möchte ich die seitlich der Wege angebrachten Gullis. Die Blumenbeete sind ästhetisch arrangiert und die Öffnungszeiten des Tropenhauses haben wir leider knapp verpasst.

Oldenburg, Tropenhauptstadt
Abb. 42: Oldenburg, Tropenhauptstadt, Fake?
Julia vor Riesenpflanze
Abb. 43: Julia vor Monsterpflanze.
Reiherplastik
Abb. 44: Statt echter Reiher.
Herrschaftliche Pflanzenhäuser
Abb. 45: Wo die Pflanzen wohnen.

Nach einer Weile gehen wir zurück in die Innenstadt und entdecken hier einen Lakritzladen mit dem klangvollen Namen »Süßholz«. Ich nehme eine Packung karamellisierter Lakritz und eine custom Zusammenstellung mit. Die Auswahl ist beachtlich und die Preise moderat.

Süßholz
Abb. 46: Guter Laden.

Danach wiederum gehen wir zu dem Café »Cheers«, um ein Stück Kuchen und ein Getränk zu uns zu nehmen. Der Zitronenkuchen hat eine angenehme Fluffigkeit, der Käsekuchen ist aber sehr kompakt. Die auf der Karte ausgewiesene Homemade Lemonade gibt es leider nicht und der mit einem Glas Wasser gereichte Matcha ist solide, aber nicht umwerfend.

Gasher und Kuchen
Abb. 47: Solider Matcha, solider Gasher.

Hier sitzend beobachten wir die Oldenburger Passant*innen, die auf eine subtile Art posh sind.

Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 48: Oldenburger Kunsthandwerk 1.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 49: Oldenburger Kunsthandwerk 2.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 50: Oldenburger Kunsthandwerk 3.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 51: Oldenburger Kunsthandwerk 4.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 52: Oldenburger Kunsthandwerk 5.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 53: Oldenburger Kunsthandwerk 6.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 54: Oldenburger Kunsthandwerk 7.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 55: Oldenburger Kunsthandwerk 8.
Oldenburger Kunsthandwerk
Abb. 56: Oldenburger Kunsthandwerk 9.

Auf dem Rückweg zu Ally kehren wir erstmal bei Penny ein, um ein paar Snacks für die am nächsten Tag stattfindende Heimreise zu grabben. Den Abend verbringen wir dann bei Ally quatschend und auch zockend und lesend im Wintergarten.


18.8.2026: Rückfahrt über Bremen

Wir stehen um 8.30 Uhr auf, Ally ist natürlich schon wieder lohnarbeitstechnisch unterwegs, aber sie hat einen lieben Zettel hinterlassen. Wir packen und gehen zum Bahnhof.

Oldenburger Bahnhof
Abb. 57: Warteraum I. und II. Klasse, aber auch Warteraum III. und IV. Klasse.
Oldenburger Bahnhof
Abb. 58: Bahnhofszierde.
Oldenburger Bahnhof
Abb. 59: Fancy Mosaik, funktionaler Strahler.

Hier stehen der RS3 und der RS30 sich am Bahnsteig quasi für einen Showdown gegenüber und auch wenn der RS3 früher fährt, weiß ich ja jetzt, dass er länger brauchen wird. Tatsächlich begrüßen die Lautsprecher im RS30 uns mit der Ansage, dass es schlechte Nachrichten gäbe, weil der Zug erstmal auf unbestimmte Zeit nicht losführe. Also wechseln wir den Zug, um dann festzustellen, dass der auch betroffen ist. Also zurück zum RS30. Hier geht Bahnpersonal durch den Zug, um offene Fragen zu klären und es stellt sich heraus, dass es ein Gasleck gibt und der Zug deshalb so lange steht, bis das behoben ist. Nachdem die Begleitung durch den Zug gelaufen ist, ertönen die Lautsprecher: »Gute Nachrichten, wir können losfahren.« Die Zugbegleitung bekommt angemessenen Applaus und so landen wir mit wenig Verspätung in Bremen, wo wir den Koffer beim Bahnhof in ein Schließfach bringen und danach zum Gosch in der Innenstadt gehen, um hier ein Krabben- und ein Flusskrebsbrötchen zu essen.

Bremer Passage
Abb. 60: Eine Passage in Bremen.
Fischbrötchen
Abb. 61: Krabben- und Flusskrebsbrötchen.

Danach gehen wir über die Böttcherstraße zum Schnoor. Hier gibt es sehr viel historische Altstadt, die nicht nur von uns, sondern auch von Chines*innen gewürdigt werden.

Bremen
Abb. 62: Bremer Altstadt.
Bremen
Abb. 63: Denkmal, von hinten sah es nach nichts aus.
Bremen
Abb. 64: Liminale Einblicke.
Bremen
Abb. 65: Böttcherstraße.
Bremen
Abb. 66: Verzierung an der Böttcherstraße.
Bremen
Abb. 67: Vase hinter Glas in der Böttcherstraße.
Bremen
Abb. 68: Gasher in Böttcherstraße.
Bremen
Abb. 69: Schnoor One.
Bremen
Abb. 70: Schnoor (5?).
Bremen
Abb. 71: Biblisch akkurater Hinterhof
Bremen
Abb. 72: Rose.
Bremen
Abb. 73: Augenroll-Emoji.

Zurück beim Bahnhof holen wir uns Getränke bei einem Starbucks und ich muss sagen, dass ich noch nie so einen schlechten Matcha getrunken habe. Die Heimfahrt indes war unspektakulär und verlief wiederum über Uelzen, Stendal und den Hauptbahnhof. Lowlight waren hier zwei ältere Frauen, die sich in automatischen Sprechen verlierend über Wärmepumpen ausließen, nicht wissend, wie diese funktionieren, dann aber doch auch meinend, dass »die da oben« immer so täten, als wüssten sie alles und »dieses Selbstbewusstsein möchte ich auch mal haben«. Wieder in Köpenick grabben wir eine Melone beim hiesigen Aldi und erfreuen uns einer Dusche.


Jetzt bleibt nur die Frage, wann ich wieder ins Oldenburger Computermuseum (OCM) komme.

Gasher
Fischkopp a.D.
01.06.2026

Cottbus & ich

Cottbus. Man hört ja viel über diese Perle im Südosten Berlins hinter Tropical Island und dem Spreewald. Aber wie ist es wirklich dort? Claudia war aus beruflichen Gründen dort und das war für mich Anlass genug, Cottbus am 1.6.2026 einen Besuch abzustatten.

Abfahrt vom Ostkreuz

Nach Plänen und Planänderungen ist es beschlossene Sache: Um 14.42 Uhr soll der Zug beim Ostkreuz losfahren. Er kommt ein paar Minuten später. Die nächstgelegenen Zugtüren sind ausgefallen, die übernächstgelegenen auch, ein ganzer Waggon ist tatsächlich ausgefallen und lässt sich nicht einmal durchqueren. Ich denke, damit ist auch zumindest eine Ursache für die Verspätung klar. In der Bahn beobachte ich drei Personen, die sehr cool gealtert sind, also im Sinne von: Sie haben BMX-Merch an und eine Mappe zur Konzeption eines BMX-Racing-Tracks vor sich, in der das eigentlich coole Thema mit "Kostenvergleich Startrampen" konterkariert wird. SpaceX lässt grüßen. Es ist warm.

Am Bahnsteig Ostkreuz Berlin
Abb. 1: Am Bahnsteig Ostkreuz Berlin, etwa 5 Minuten Verspätung.

Ankunft in Cottbus

In Cottbus angekommen holt mich Claudia vom Bahnhof ab. Ich kaufe mir ein exotisches Getränk im Bahnhofs-Rossmann. Beim Weg zum Busbahnhof sehe ich eine Person mit dem Shirtaufdruck »KRL MRX« und ich bekomme direkt Naschkram mit der Aufschrift »Herzlich willkommen« (Gummiherzen mit Kirschgeschmack) und »Vitamine für mehr Schiene« (eine Mini-NuFruMi-Packung). Ob alle Menschen so begrüßt werden, wenn sie in Cottbus ankommen?

Busbahnhofsidylle
Abb. 2: Busbahnhofsidylle in Cottbus.
Willkommensgruß
Abb. 3: Willkommensgruß.

Wir fahren mit der Linie 10 zum Branitzer Park, hier soll eine Veranstaltung der Umweltwoche stattfinden. Allgemein beobachte ich in den Cottbuser Straßen die sorbische Doppelbenamsung und mir fällt auf, dass die Spielhallen hier nahezu nobel aussehen.

Spielbank von außen
Abb. 4: Spielsucht mit Stil.

Der Bus hat mit dem Verkehr zu kämpfen und gerade, als es ruhiger wird, macht die Buslinie eine Schlaufe, um alle Bürgis abzuholen. Also ernsthaft: Damit die Leute in den Einfamilienhäusern in Cottbus' Umland keine 200 Meter laufen müssen, dreht sich der Bus einmal im Kreis. Es steigt trotzdem niemand ein, erst bei der letzten Bushaltestelle vor einer Photovoltaikfirma steigen zwei junge Personen ein, kaufen beim Busfahrer vorn ein Ticket und zahlen bar -- protzige Solarbros.


Lustwandeln im Schlossgarten

Beim Park angekommen schlendern wir wie Rokokobienen durch das Tor zum Schlossgarten. Rechter Hand ist ein großer Spielplatz, ab und zu kreuzen Radfahrer*innen, links ist aber ein Pulk an grauschwarzen, großen Autos, das ist vielleicht die Veranstaltung, zu der wir wollen.

Säulensprache
Abb. 5: Zeitlosalte Säulen.
Spielplatz
Abb. 6: Flüchtiger Blick auf den Schlossgartenspielplatz.
Wasserspiele
Abb. 7: Wasserspiele.

Zuerst aber das Fürst-Pückler-Klo. Dann die Frage, wie man denn in das Gebäude kommt. Wir geistern etwas verloren in einem dieser quasiadeligen Gebäude herum, treffen hart arbeitende Bevölkerung, gehen wieder raus und fragen einen Passanten, wie man denn der Veranstaltung beiwohnen kann. Der weiß das auch nicht richtig, zeigt aber in einen Saal und meint, da stünde was von wegen »Cottbus«, also wäre das doch sicher nicht verkehrt. Wir gehen rein und finden zwei leere Stühle in der zweiten Reihe. Auf den Stühlen liegt ein Gratis-Bleistift und ein Blatt Papier. Augenblicklich läuft ein Vortrag zum Thema Wald. Es sollen klimawandelangepasste Gewächse angepflanzt werden, die aber optisch der heiminischen Flora entsprechen. 96 der besten Gewächshäuser der DDR wurden größtenteils zurückgebaut, in den verbliebenen 6 werden 12 Hektar beackert, es gibt da jetzt auch eine Streuobstwiese und folgerichtig Fledermäuse und Insekten, sodass da natürlich auch Nabu und BUND involviert sind. Bei den Pflanzenexperimenten wird auch vor der Paupaubanane nicht zurückgeschreckt und alle sind eingeladen beim Pflanzen mitzumachen. Es klingt sehr gut.

Fläche
Abb. 8: Flächennutzung.
Spielplatz
Abb. 9: Aufgeräumtes Gewächshaus mit Heizraum aus Holz.

Apropos: Nach dem Vortrag kommen die »Aufgeweckten Gartenklänge« auf die Bühne, vermeintlich zwei Blechbläser, von denen einer schnell auf Trichter und Gartenschlauch wechselt, dann einen Striptease hinlegt und statt Anzug grüne Arbeits-Latzhose trägt. Das ist teilweise witzig. Nach einer nicht einmal teilweise witzigen Moderation wird danach Thomas Bergner verabschiedet, auch vom Bürgermeister. Thomas Etat war wohl nie der beste, zukünftig wird er dann aber ehrenamtlich unterwegs sein.

Ziele
Abb. 10: Ziele der neuen Branitzer Baumuniversität.
Danke
Abb. 11: Wertschätzung von ganz oben.

Zurück in die Stadt

Wir verlassen die Veranstaltung und fahren mit dem Bus zurück stadteinwärts. Irritierend ist der »Uhrenturm«. »Ursprünglich 16 Meter«, heißt es auf der Plakette. Und was passierte dann? Was soll ein Uhrenturm sein? Ist das nicht einfach ein ausgedachtes Wort? Eine kurze Recherche ergibt, dass es sich um ein Zunftsymbol handelt, aber ob es nun die Uhren- oder die Turmzunft ist, steht nicht dabei.

Uhrenturm Cottbus
Abb. 12: Claudia vorm Uhrenturm.
Leuchtender Uhrenturm
Abb. 13: Nachts leuchtet er verdächtig.

Wir gehen kurz zum hiesigen Aldi und dann in die AirBNB-Unterkunft, die im stringenten 90er Charme überzeugt.

Klodeckel
Abb. 14: Zurück zu den Wurzeln.
Bärchen
Abb. 15: Silberbärenbande.

Heimfahrt mit Spontizug

Ich will den Zug um 23.03 Uhr zurück nach Berlin nehmen und gehe allein zum Bahnhof. Dabei komme ich auch an einem Büro einer Nazipartei vorbei, was rückblickend der einzige sichtbare Nazihinweis war.

Spielonacht
Abb. 16: Ebenfalls verdächtig blau.
Leuchtender Uhrenturm
Abb. 17: Skyline.

Ein letztes Bahnhofsselfie wäre doch nett! Am Bahnsteig mit dem Bahnhof Cottbus im Rücken vielleicht.

Klodeckel
Abb. 18: Wertarbeit VEB Kanalguss.
Bärchen
Abb. 19: Selfie am Bahnhof.

»Social Media ist nicht gut!« Ruft einer mir von seinem Fahrrad zu. Er liest lieber CG Jung, was ich verstehe. Als Veranstaltungstechniker trat er 2020 der Linken bei. Die Binnennachfrage muss gestärkt werden. Ich nicke. Dieses quasimitternächtliche Gespräch rundet den Tag gut ab, doch unsere Verquatscherei wird jäh unterbrochen: »Jetze schon wieder Gleiswechsel?!« Der Zug fährt spontan nicht auf 1b, sondern auf Gleis 3. Ein letzten Sprint und ich sitze im Zug. Der Zugführer entschuldigt sich für die Sprinterei und hofft, die bisherige Verspätung wieder aufzuholen. Stattdessen biegt der Zug kurz vorm Ziel Ostkreuz etwa auf Höhe der Wuhlheide unvorhergesehen ab und steht dann eine Weile still. »Die Weiterfahrt verzögert sich um wenige Minuten, denn wir müssen unseren Zielbahnhof rausbekommen, wir wurden nach Lichtenberg umgeleitet, obwohl wir doch eigentlich nach Charlottenburg wollen.« Wir fahren dann zum neuen Zielbahnhof Lichtenberg, was einerseits bedeutet, dass mein Rad dann weiter am Ostkreuz steht, andererseits aber auch, dass ich in weniger als 5000 Schritten nach Hause laufen kann. Und genau das mache ich auch. Ziemlich genau um 2 Uhr liege ich endlich im Bett.


Jetzt muss ich nur noch irgendwann rausfinden, was es mit der Cottbuser Seenlandschaft auf sich hat.

Gasher
Uhrenturmwart a.D.