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Die Sächsische/Böhmische Schweiz & ich
7. August 2014


Freitag, 25. Juli 2014

Wer früh sein will, muss leiden. Wohin es gehen wird, weiß ich noch nicht, aber es ist wichtig, um 5 Uhr aufzustehen, um den Zug mit dem Sparpreis zu kriegen, der gegen 7 Uhr beim Hauptbahnhof losfährt. Wie man auf so eine Idee kommt? Ich war es nicht, das war Isa! Sie hatte die Fahrt als Überraschungsgeburtstagsfahrt anlässlich meines 23. Geburtstags (im Hexadezimalsystem) gebucht und ich weiß nur, wann es los geht, dass es zu früh los geht, aber nicht wohin.



Die Sachen (Proviant, Wasserflaschen, Isomatte, Kleidung, Notfallset, Taschenlampen und viel viel mehr) hatten wir schon am Vorabend in zwei große Rucksäcke zusammengepackt und gemeinsam brechen wir nun auf.

Die Straßenbahn fährt in 7 Minuten – diese Zeit nutzen wir, indem wir noch einen Kaffee respektive einen schwarzen Tee in einem Bäcker kaufen. Ich habe lange nicht mehr aus dem Loch einer Pappbecherabdeckung getrunken und bemerke nun erneut, dass ich mir dabei eher die Oberlippe verbrühe, als das heiße Getränk zu genießen.

Mit der Straßenbahn fahren wir bis zum Alexanderplatz und nutzen von dort die Regionalbahn bis zum Hauptbahnhof. All das geschieht im Halbschlaf und ist unspektakulär. Am Hauptbahnhof Berlin finden wir auch nahezu schnurstraks zum richtigen Gleis, wo der gebuchte Eurocity-Zug bereits steht. Nun müsste ich doch eigentlich wisse, wohin es geht, oder? Doch der Zug fährt nicht nur innerhalb von Deutschland umher, sondern im Anschluss weiter nach Tschechien und Ungarn -- Endstation ist Budapest. Und wer weiß, ob in Budapest nicht ein Anschlusszug lauert, der mich dann doch noch nach Afghanistan bringt!

Der Zug hat den Charme des vergangenen Jahrhunderts. Sein Design unterwirft sich nicht der Aerodynamik, innen bestechen zeitlose Brauntöne und an den Fenstern der Abteile sind Gardinen. Isa und ich finden ein Abteil für uns und unsere Rucksäcke und schaffen es brötchenkrümelnderweise, asozial genug zu wirken, dass sich vorerst keine andere Person zu uns gesellt.



Wir dösen eine Weile, doch dann platzt Isa der Geheimniskrämerkragen und sie verrät mir endlich das Ziel: Bad Schandau. Bad Schandau ist ein kleiner Ort hinter Dresden und noch vor Prag auf deutscher Seite. Ich wundere mich darüber, dass dieser metropolitische Zug in dieser eher kleinen Stadt hinter Dresden überhaupt hält. Weshalb sollte man denn bitteschön dort aussteigen?

Wegen der Sächsischen Schweiz! Die Sächsische Schweiz ist ein Landstrich vor der tschechischen Grenze, der vor allem von Felsen und Wäldern geprägt ist. Hier sagen sich noch Luchs und Hörnchen gute Nacht und Isa zeigt mir das umfassende Kartenmaterial, das sie sich besorgt hat.

Ein gewisser Herr Böhm hat bereits Anfang der 80er Jahre damit begonnen, die Sächsische Schweiz im Maßstab 1:10000 zu kartographieren, ein Zentimeter auf seinen Karten entspricht also nur 100 Meter in der realen Welt. Diese Böhmschen Karten wurden in den 90ern überarbeitet und bis heute ergänzt. Die Karten haben bis heute ihr handgemaltes Design beibehalten, was schön aussieht, stellenweise aber doch auch ein bisschen verwirrend ist. Es gibt ausgewiesene farbige Wanderwege, durchgehende Linien (befestigte Wege), gestrichelte Linien (unbefestigte Wege), gepunktete Linien (Kletterei und Trampelpfade) und quergestrichelte Linien (Treppen und Leitern). Isa hat fast alle Teilkarten über die Sächsische Schweiz, nur die über die an die Sächsische Schweiz anschließende Böhmische Schweiz hat es nicht rechtzeitig in ihren Briefkasten geschafft.

In Bad Schandau ausgestiegen sehe ich die ersten und bis zuletzt letzten Zollfahrzeuge des deutschen Zolls, was mich aufgrund der Grenznähe nicht wundert. Es ist diesig und nicht mehr allzu warm, was ich als angenehmeres Wanderwetter empfinde.



Wir gehen über eine Brücke und finden ein kleines Geschäft, das -- Tourismus sei dank -- sogar am Sonntag geöffnet haben soll und eine Apotheke nebenan. Im Geschäft kaufen wir zwei Packungen Kaugummi, in der Apotheke Traubenzucker -- alles Andere haben wir ohnehin dabei.

Das Bad in Bad Schandau steht natürlich für Kurbad. Somit hat dieser kleine Ort Einrichtungen, die für diese Größe eher ungewöhnlich sind, beispielsweise ein Thermalbad oder einen Botanischen Garten. Und auch eine Straßenbahn, die sogenannte Kirnitzschtalbahn, die allerdings eher aus nostalgischen denn aus praktischen Gründen betrieben wird. Sie scheint nur auf uns zu warten und nach einem Kauf zweier Fahrkarten bis zur Endhaltestelle -- dem populären Lichtenhainer Wasserfall -- für je immerhin 5 Euro setzen wir uns in den bis dahin noch gänzlich leeren hinteren Wagen. Der Chic besteht vor allem in Holz- und holzartigen Applikationen und einem altertümlichen Schellen, wenn die Türen schließen. Interessanterweise gibt es keinerlei Durchsagen, kein »Nächster Halt: Laberbackenhausen Nord«, kein »Ausstieg in Fahrtrichtung rechts«, kein »Bitte zurück bleiben« und erst Recht kein »Herzlich Willkommen in der Laberbackenbahn, der Speisewagen befindet sich im WC«. Ich vermisse keine dieser Durchsagen, denn alle Informationen lassen sich bequem ablesen und sollte man blind sein, kann man ja vorher mit dem Bahnpersonal sprechen. Außerdem bin ich nicht blind.



Den Wasserfall am Endbahnhof schauen wir uns gar nicht erst an, sondern gehen gleich über die Kirnitzsch in den Wald. Hier spaltet sich nach einigen Metern der Weg -- rechts verläuft der sogenannte Malerweg, links der Flößersteig. Der Malerweg heißt tatsächlich so, weil hier zahlreiche Maler Motive fanden, darunter auch Casper David Friedrich. Isa nennt den Weg »Rentnerweg« und meint, er wäre sehr langweilig, weshalb wir doch lieber -- vollbeladen wie wir sind -- links einbiegen, auch wenn hier »schwierig« in Klammern vermerkt ist. Ich bin schließlich gerade einmal 23.

Der Flößersteig ist eben dies: Ein schmaler Pfad am Flüsschen entlang, bei dem die Holzfäller früher die abgeholzten Bäume verfloßten, also flussabwärts treiben ließen. Wir müssen immer entlang, um die Neumannmühle zu finden, in der Isa ein Zimmer für zwei Nächte gebucht hat. Der Flößersteig hat tatsächlich ein paar Stellen zum Klettern, die mit dem kompletten Gepäck eine gewisse Erschöpfung hervorrufen. Wir kommen nach einer Weile bei der Felsenmühle an und bemerken spät, dass wir falsch sind. Dabei gäbe es hier wunderbare frische Forelle zu essen, die aus der Kirnitzsch gefangen worden sein soll. 1,35 kg soll die größte hier gefangene Forelle schwer gewesen sein und 49 cm lang. Ich fühle mich hungrig genug, doch es geht weiter durch den Wald.



Endlich kommen wir doch noch bei der richtigen Mühle an, in der gerade noch geputzt wird. Schuhe aus, heißt es, Zimmer 4 ist unser, die Dusche kostet 50 Cent, morgens gibt es Frühstücksbüffet, abends findet das 17. Kirnitzschtalfest statt, ob uns die Blasmusik stört -- nein nein!



Wir packen die Rucksäcke um, sodass Isas Rucksack in der Mühle bleiben kann und die Naturalien in meinen (etwas kleineren) Rucksack kommen. Noch am Zimmertisch schauen wir uns die Wanderkarten an. Die Affensteine sind unser Ziel und wir diskutieren, ob wir die Rotkehlchen- oder die Heilige Stiege nehmen, um sie zu erklimmen. Die Heilige Stiege besteht aus Treppen und Leitern größtenteils künstlicher Natur,während die Rotkehlchenstiege eine ebenso große Höhe über Fels und Gestein kraxelnd überwindet. Isa war schon einmal hier und war weiland mit all ihrem Gepäck an der Rotkehlchenstiege gescheitert. Nicht zuletzt deshalb entscheiden wir uns genau dafür, um dieses angebrochene Vorhaben endlich abzuschließen.



Auf auf! Den Malerweg herunter (gähn), dann aber nicht rechts, sondern geradeaus, immer weiter auf dem Wurzelweg durch den Heringsgrund, an der Heiligen Stiege vorbei und dann geht rechts die Rotkehlchenstiege hoch. Die ersten Meter sind gut zugänglich und es geht über ebene Holzstiegen und ich beginne, Isa damit aufzuziehen, dass sie an dieser »Stiege« gescheitert ist. Dann jedoch wird es steiler und felsiger, schmaler und kraxliger und ab und an habe ich David Hasselhoffs »Limbo Dance« im Ohr. Etwa auf halber Höhe lokalisiert Isa eine Boofe.

Eine Boofe (gesprochen mit weichem w, also etwa »Boowe«) ist ein natürlicher Witterungsschutz, der für Übernachtungen freigegeben ist, in der Regel also eine Art Felsspalt. Die Boofen sind nicht ausgeschildert, aber doch mit einem kleinen Schild markiert. Je höher die Boofe gelegen ist, desto trockener ist sie. Und einsamer.



Die Boofe in der Rotkehlchenstiege ist nicht ganz oben und doch schon sehr einsam, allerdings begegnen wir nicht nur hier, sondern auf der ganzen Rotkehlchenstiege keinem einzigen Menschen. In der Boofe picknickend hören wir nur ein paar Bergsteiger in der Ferne …



Nach dem Picknick verlassen wir die Boofe wieder und kraxeln die letzten Meter der Stiege hoch. Yeah! Geschafft! Und was für ein Ausblick! Bis ganz weit und weiter.



... ja, wie geht es nun aber weiter? Auf den Affensteinen verlieren wir die Spur des grünen Weges und landen zwei Mal nicht beim Abstieg, sondern auf weiteren Aussichten, weshalb man diese unbeabsichtigt zurückgelegten Wege wohl kaum als »Verlaufen« bezeichnen kann.



Beim dritten Anlauf finden wir den Abstieg und wandern endlich auf einem größeren Bogen um die Affenfelsen herum zur Mühle.



Grunz grunz. Ein kehliges Grunzen erschreckt uns. Wildschweine? Isa erwartet sie jedenfalls hinter jedem Baum, die wütende Wildsau mit ihren Ferkeln, zu allem bereit und abgerichtet auf Menschenfleisch, blutrote Augen, geifernde Hauer, man kennt das ja. Ich bleibe skeptisch und überrede Isa, weiter zu gehen. Das Grunzen wiederholt sich immer und immer wieder und es scheint auch näher zu kommen, noch näher, es muss direkt hinter diesem Baum dort sein, vielleicht zehn Meter entfernt, es ist bei uns! ... und dann wird es wieder leiser. Na sowas. Was war das? Der nachsichtige Geist eines Wildschweins? Der blindwütige Dämon? Das Grunzen ist noch nicht verhallt, aber es entfernt sich zuhörens. Rätselhaft.

Doch da sich die Sonne hinterm Horizont versteckt, bleibt keine Zeit. Weiter, weiter! Wir haben schließlich noch einige Kilometer vor uns und die Dämmerung scheint vor uns einzutreffen. Einen kleinen Umweg gehen wir dennoch und passieren so den »Kuhstall« genannten Felsen an seinem Fuß. Dort hoch? Nicht heute.

Die Strecke ist vergleichsweise eben und so hören wir nach einiger Zeit Musik. Soul Asylum, irgendjemand spielt den Song »Runaway Train« von Soul Asylum nach. Gegen 21 Uhr kommen wir bei der Mühle an, bringen den Rucksack aufs Zimmer und gesellen uns dann zum Kirnitzschtalfest. Die Mühle ist gut besucht, ein extra für das Kirnitzschtalfest aufgebauter Getränkestand schenkt Bier und andere Getränke aus und macht seinem Namen somit alle Ehre. Isa besorgt zwei Gläser einheimischen Schwarzbiers und wir bestellen etwas zu essen -- für mich gibt es Seelachs und Gurkenkartoffeln, ein sehr üppiges Mahl, das mich mit dem Schwarzbier gleich doppelt sättigt.

Eine Top-40-Cover-Band spielt währenddessen live all das, was man so aus dem Radio kennt. Ein kleiner Junge fragt kritisch nach, ob der Sänger diese Songs alle selbst geschrieben hat. Nun ja, dann spielt sie halt all das, was man so aus dem Radio kennt, wenn man kein allzu kleiner Junge ist. Die Band ist handwerklich gut, wobei ich mich frage, wie betrunken der Metaller mit dem Iron-Maiden-Shirt ist, der nun als Teil der Band und auf der Bühne einfältig grinsend ein Schüttelei schüttelt.

Nach dem Mahl beschließen wir, die modernen Duschautomaten aufzusuchen. Glücklicherweise finden wir noch je ein 50-Cent-Stück. Ich habe sogar so viel Glück, dass der Herr, der gerade die Dusche verlässt, als ich sie betrete, nur so kurz duschte, dass ich mit seinen angebrochenen 50 Cent noch bequem zu Ende duschen kann.

Wieder zurück im Zimmer lege ich mich hin. Frisch geduscht und einfach erschöpft schlafe ich trotz der noch etwas hörbaren Band -- sie spielt R.E.M., wie kommt man auf die Idee, die Stimmung mit R.E.M.-Musik aufzulockern?! -- praktisch sofort ein.


Samstag, 26. Juli 2014

Am ganz frühen Morgen -- vielleicht gegen 6 Uhr -- wache ich auf und habe leichte Kopfschmerzen. Ich frage mich nach der Ursache und komme im Halbschlaf darauf, dass mir möglicherweise frische Luft fehlen könnte. Naheliegend: In der Stadt habe ich die Kopfschmerzen nicht, auf dem Land fehlt aber die frische Luft. Super Idee. Ich öffne im Halbschlaf die Fenster und lege mich wieder hin und döse weiter.

Weitere zwei Stunden später wache ich wieder auf. Sch-wusch. Sch-wusch. Sch-wusch. Was für ein nerviges Geräusch, kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen habe. Dann bemerke ich, wo ich bin. Eine Mühle. Mit Wasserrad. Sch-wusch. Die geschlossenen Fenster isolieren akustisch ausgezeichnet, aber ich musste sie ja öffnen. Sch-wusch. Naja, so langsam ist ja ohnehin Zeit zum Frühstücken, Isa ist auch schon wach, sodenn: Aufstehen!

Nach einer Katzenwäsche geht es zum Büffet, das zu dem Titel »Die Einfachheit der Nahrungsmittel« passt. Es gibt einen Käseteller, einen Wurstteller, Marmelade, Schokocreme und Honig in kleinen portionierten Päckchen, aber auch geschnittene Tomaten. Dazu gibt es Graubrot oder Brötchen, Kaffee, schwarzen Tee, Kakao, Kräuteraufguss ... jetzt fällt mir auch ein, was der Grund meiner Kopfschmerzen ist: Ich hatte am Vortag einfach verhältnismäßig wenig getrunken! Ich komplettiere drei Tassen Tee mit einer Paracetamol.

Nach dem Frühstück besprechen wir die heutige Tagestour im Zimmer. Heute verlassen wir die Sächsische Schweiz und Deutschland und nehmen uns vor, in der Böhmischen Schweiz in Tschechien zu wandern. Auch hier gibt es eigentlich eine Böhmsche Karte mit all ihrer Detailgenauigkeit, die Isa auch bestellt hatte -- leider kam diese Bestellung nicht rechtzeitig an, sodass uns diese Karte nicht vorliegt. Wir strukturieren die Tagesroute daher anhand der üebersichtskarte im Maßstab 1:40000. Sie scheint leicht zu bewältigen zu sein. Auch heute sind einige Nahrungsmittel und zwei 1,5-Liter-Flaschen Wasser dabei.

Von der Neumannmühle fahren für gewöhnlich etwa alle zwei Stunden Busse, die über Bad Schandau bis Pirna zur einen und bis Hinterhermsdorf zur anderen Seite fahren. Hinterhermsdorf ist wiederum ein wahrer Grenzort, der letzte vor der tschechischen Grenze.

Dank des Kirtzschtalfests fährt der Bus wesentlich häufiger und wir nehmen für 2,20 Euro eben diesen, immer an der Kirnitzsch entlang und schließlich (nach etwa 6 Minuten) sind wir in Hinterhermsdorf.

Vom -- ich sage mal: Busbahnhof Hinterhermsdorf weisen Schilder in alle Himmelsrichtungen, eines zu einem »Haus des Gastes«, einem Gebäude, was früher unter dem Namen »Fremdenverkehrsamt« firmierte. Weil uns die Detailkarte fehlt, suchen wir eben jenes auf, um vielleicht hier ein paar Informationen zu bekommen. Tatsächlich ist die gesuchte Karte auch im Sortiment, sodass wir sie bei der freundlichen Dame kaufen.

Endlich Orientierung! Wir durchwandern Hinterhermsdorf und kommen nach einem sehr sonnigen Feldweg zum Grenzhäuschen. Statt eines Zöllners sitzen hier nur zwei Radler, die offensichtlich verschnaufen und sich auf Tschechisch unterhalten. Mein Tschechisch ist nicht das Beste, ich kann mich an »Ryby« (Fisch), »Pivo« (Bier) und »Dobry Den« (Guten Tag) erinnern. Isa macht aus dem Tagesgruß einen »Doppelgin«, was nicht weiter unangenehm auffällt. Von der Unterhaltung der beiden Radler verstehe ich jedenfalls nichts.

Am Grenzübergang steht auch eine große Übersichtskarte und mit dieser Hilfe wie der frisch erworbenen Böhm-Karte wird die Wanderung konkreter. Zunächst verläuft der Weg am Ufer des Grenzflusses. Hier ist er sogar asphaltiert und sehr eben, was viele Radler anlockt. Hier hören wir auch wieder das Geräusch des Phantomwildschweins. Diesmal schauen wir in die Luft -- es ist ein Rabe. Kein Wunder, dass ich keine Angst hatte.



Nach einiger Zeit und machen wir die erste Rast direkt unter einer Brücke am Flussufer. Diese Brücke finden wir auch auf der Karte wieder. Wenn wir sie überqueren finden wir laut Karte ein Raubschloss dahinter. Zwischen Raubschloss und Brücke ist aber vermerkt: »Weg beim Hochwasser 2010 zerstört«

Wir versuchen trotzdem unser Glück und gehen diesen Weg, der anfangs noch befestigt ist, dann steiniger wird und am Ende einfach weg ist. Dafür erahnen wir zur rechten Hand das Raubschloss und beschließen, einfach direkt in diese Richtung zu gehen.

Wir finden uns tatsächlich auf dem Raubschloss wieder. Raubschlösser machen sich die natürlichen Begebenheiten zunutze, natürliche Höhlen und Berge werden mit ein bisschen Höhlen- und Bergforming zu einem Minimalschloss. Behaust wurden diese Schlösser von Raubrittern, die in den Wäldern eine ähnliche Funktion hatten wie die Piraten auf hoher See, die also vor allem Reisende ausraubten. Vieles hiervon soll Legende sein, aber wer weiß das schon.



Dieses Raubschloss hier verfügt über einen rudimentären Bergwall und einige natürliche Stufen. Weitere Informationen gibt es leider nicht und so brechen wir bald wieder auf und gehen einen Bogen zurück zum Hauptweg, dem wir weiter ins Tschechische folgen.

Wieder nach vielleicht zwei Kilometern finden wir linker Hand nach einem kurzen Weg eine kleine Höhle vor, die angenehm kühl ist, aber auch so klein, dass man kaum aufrecht in ihr stehen kann. Zahlreiche Kerzen und Grablichte zeugen von vergangenen Hexenritualen ... oder einfach nur gemütlichen Abenden.



Und wieder geht es zurück zum Hauptweg für ein paar hundert Meter. Diesmal geht es rechts in einen zunächst gut ausgebauten Weg und kurz darauf -- ist das überhaupt ein Weg? Ja, das ist ein Weg, nämlich der Felsenpfad zu Khaa, links dann also die Felsen hochkraxeln.



Hier sind vergleichsweise viele Tschechen unterwegs und angesichts des Schwierigkeitsgrads dieses Wegs sind erstaunlich viele Kinder unterwegs. Es gibt hier tatsächlich einen Felsenausguck, den weder Isa noch ich bezwingen, weil er uns zu unsicher ist, weil wir nicht wissen, wie wir die Füße setzen sollen. Deprimierend! Und spicken, wie die Anderen das wohl machen, kann ich auch nicht, weil es einfach zu eng ist.

Also weiter, immer höher und ganz oben wartet tatsächlich eine leere Bank auf uns. Zeit für eine Rast mit phantastischem Blick über Felsen und Bäume. Dieser Teil der Böhmischen Schweiz ist auch als Khaatal im Deutschen bekannt, benannt nach dem tschechischen Ort Khaa, der in Tschechien selbst aufgrund eines Übertragungsfehlers Kyjov heißt. Das ist unser nächstes Ziel.

Stück für Stück wandern wir die Felsen wieder herab und werden von Khaa auf einem alten Friedhof begrüßt. Ja, tatsächlich, dieser Friedhof ist Bestandteil des Wanderwegs! Die Grabsteine sind größtenteils alt und stark verwittert, aber wie ein Kuriosikum befindet sich auch ein ganz frisch angelegter darunter.



Nach dem Passieren eines Feldes finden wir uns auf einer Dorfstraße wieder, die wir links ins Dorf folgen. Ein Biergarten lockt, doch wir passieren ihn und auch den Imbiss und finden am Ende ein Restaurante.

Leider sprechen wir beide kein Tschechisch und haben auch keine Tschechischen Kronen dabei. Wie Unsichtbare gehen wir zu den Außentischen und schauen in die Karten. Glücksgriff: Alles ist auch auf Deutsch ausgewiesen.

Ich habe hier wieder keinen Handyempfang, also gehe ich zurück zur Straße, auf der ich Empfang habe und schreibe Tobias und Fredanko an, um den aktuellen Umrechnungskurs zwischen Euro und Krone zu erfahren. Zurück zum Tisch, der Kellner kommt und begrüßt uns. »Hihi, ja dobry den. Do you speak English?« Nein, spricht er nicht, aber er gibt gestisch zu verstehen, dass wir uns gedulden sollen. Einen Moment später ist er mit seiner mutmaßlichen Tochter zurück, die meint, dass sie ein ganzkleinwenig Englisch spricht. Ich frage, ob wir auch in Euro bezahlen können und das ist kein Problem. Nun beginnt die große Schlemmerei, obwohl ich mangels Handyempfang keine Ahnung über den Umrechnungskurs habe. Es gibt ausgezeichnetes Schwarzbier dazu.

Wow, sind wir fertig. Die Bäuche sind rund und die Beine müde. Und wir sind mitten in Tschechien und müssen irgendwie zurück. Ob wir den letzten Bus von Hinterhermsdorf noch erwischen? Die Rechnung des Restaurants beträgt weniger als 15 Euro -- für beide Mahlzeiten. Wir runden auf 20 Euro auf und los geht es wieder!

Diesmal gehen wir zuerst den asphaltierten Radweg und zwar exakt den Abschnitt, den wir vorhin verpasst haben. An dem Ort, an welchem wir uns vorher links in die Felsen schlugen, gehen wir nun einfach geradeaus und versuchen so, einen Kreis zu gehen, der wiederum in Hinterhermsdorf endet.

Die Böhmische Schweiz ist wesentlich unbeschilderter als die Sächsische Schweiz. Ohne die erworbene Karte wären wir hier verloren. So passieren wir schon recht bald die Schatzkammer, in der wohl weiland die Raubritter ihre Beute einlagerten.

Der Weg ist anfangs teilweise unklar, aber dieser Teil ist auch kein ausgewiesener Wanderweg. Schließlich mündet der Weg auf dem offiziellen Wanderweg, der gut befestigt ist. Ein Jogger kommt uns entgegen. Ein Jogger! Bei all dem Hoch und Runter!



Wir wandern weiter und zweifeln an unserer Geschwindigkeit. Der letzte Bus von Hinterhermsdorf fährt kurz nach 19 Uhr und nun ist es etwa 18 Uhr. Das wird knapp. Der Jogger von eben überholt uns. Ich rufe ihm hinterher: »You are totally crazy!« Er antwortet: »Well, this is a really nice spot.« Recht hat er. Ich aber auch.

Wir brechen links aus dem Hauptweg aus, um über die Grenze und schließlich in Hinterhermsdorf anzukommen. Hier führt der neue Weg über ein Gehöft und mitten auf eben diesem steht ein Schild: Rechts geht es nach Hinterhermsdorf, was zweieinhalb Stunden dauern soll. Links geht es aber auch nach Hinterhermsdorf und es dauert eine Stunde weniger. Wir kommen von links und sind irritiert. Also müssen wir zurück? Wieso war der Weg auf der tschechischen Seite nicht ausgeschildert? Die Karte verifiziert das Schild. Also kehren wir um. Auf tschechischer Seite wird der Weg tatsächlich nicht ausgeschildert, nur der Trampelpfad zurück ist angeschrieben. Diesen ignorieren wir und gehen den auf der Karte eingetragenen Weg weiter -- bis zu einem Bach. Früher überquerte eine Brücke diesen Bach, doch diese Brücke ist weg. Wir wissen nicht, weshalb das so ist, hüpfen aber gemsengleich über das fehlende Stück. Kurz darauf befinden wir uns wiederum auf deutscher Seite, wo auch der Weg ausgeschildert ist. 19 Uhr ist allerdings schon lange vorbei und langsam sind wir recht erschöpft.

Nach einigem steinigsteilen Weg sind wir am Ortseingang angekommen. Der letzte Bus ist lang schon weg und wir beschließen, ein letztes Mal zu rasten. Die Sonne geht unter. Widerwillig raffen wir uns wieder auf und gehen die mit dem Bus gekommene Landstraße entlang. Die Landstraße ist wenig befahren, wenn denn aber mal ein Auto vorbeikommt, schalte ich sicherheitshalber eine Lampe an, die ich wandernd immer dabei habe. Ist ja nicht lang, rechne ich im Kopf. 6 Minuten Fahrzeit im Bus, 60 km/h, 6 km sind es dann vielleicht ...

Nach einer Ewigkeit und platten Sohlen entdecken wir viele schwarze Silhouetten auf der Straße. Wir sind bei der Buschmühle, unserer Nachbarsmühle und von hier ist es nicht mehr weit. Auch in dieser Mühle spielt anlässlich des Kirnitzschtalfests eine Band und diese spielt inhaltlich zwar auch Top-40-Musik, diese ist aber wesentlich punkiger und diese mangelnde Anpassung wird mit viel Publikum belohnt.

Trotzdem gehen wir weiter. Wir wollen ankommen und -- wir kommen auch an! Yeah! Hungrig sind wir heute nicht, aber durstig. Und was hilft bestens gegen Durst? Doppelgin! Der Getränkestand verkauft Gin Tonic, wir gönnen uns zwei, lauschen kurz der Band, die nicht ganz so gut wie die vom Vorabend und bei weitem nicht so gut wie die der anderen Mühle ist, dann duschen, einen Liter Wasser trinken und endlich endlich schlafen. Später haben wir nachgemessen und festgestellt, dass wir an diesem Tag etwa 30 km gewandert sind -- Luftlinie und ohne die Berücksichtigung des permanenten Auf und Ab.


Sonntag, 27. Juli 2014

Gegen 8 Uhr wachen wir auf, aber bis wir endlich aufstehen, vergeht eine ganze Weile. Der Vortag steckt uns noch in den Gliedern. Bis 10 Uhr wiederum müssen wir das Zimmer geräumt haben, denn das war unsere letzte Nacht in dieser Mühle. Wir frühstücken wie am Vortag, packen alles zuesammen und werfen weg, was wir nicht mehr brauchen, füllen alle vier 1,5-Liter-Wasserflaschen auf, Schlüsselübergabe und back on the street, baby!

Statt der Mühle wollen wir in dieser Nacht in einer Boofe übernachten. Eine Boofe ist ein Felsvorsprung, der natürlicherweise wie zum übernachten gemacht ist, sodass man witterungsgeschützt ist und einen herrlichen Ausblick hat. Nur sanitäre Anlagen gibt es nicht, aber Hygiene wird ohnehin überschätzt. Ich fasse an meinen jetzt schon durchgeschwitzten Rücken.

Da die Boofen mitunter sehr beliebt sind und wir andererseits auch nicht den ganzen Tag mit vollständigem Gepäck unterwegs sein wollen, suchen wir zuerst die hochgelegene Boofe am Großen Lorenzstein -- eine von Isas Lieblingsboofen -- auf. Mit all dem Gepäck und der Erschöpfung des Vortags ist das gar nicht so einfach. Oben angekommen werden wir von zwei Frauen in Hängematten begrüßt, die lesen und es sich gut gehen lassen. Offenbar klettern ihre Gatten irgendwo herum. Das alles ist zwar nahe der Boofe, aber in der Boofe selbst ist niemand.

Die Boofe ist großartig, sie bietet viel Platz und einen Weitblick über den ganzen Wald. Der Boden ist von einer Sandschicht bedeckt und die Felsen am Rand eignen sich als Handtuchhalter. Wir legen -- typisch deutsch -- unsere Sachen ab, packen um und gehen wieder los.



Heute ist der superlangweilige bereits eingangs erwähnte Malerweg an der Reihe. In der Boofe haben wir spätestens morgen das Problem des Trinkwassers. Deshalb schenken wir einer als Quelle ausgewiesenen Stelle besondere Beachtung. Leider tropft diese Quelle allenfalls im Sekundentakt ... frustriert essen wir Gummibärchen bis der Bauch schmerzt.

Dennoch: Weiter! Immerhin wollen wir heute noch alle Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz sehen, nicht wahr! Wir steigen zur Idagrotte hoch und hier steigt die Kamera aus. Mist.



Ab jetzt also ohne Fotos. Passend dazu fällt Isa ein, dass sie möglicherweise die Bahnfahrkarte für die Rückfahrt in der Neumannmühle entsorgt hat. Gut, dass es die Idagrotte gibt: Sie ist fantastisch genug, dass man all das gut verdrängen kann -- aber auch gut besucht und ganz sicher ist sie nichts für Menschen mit Höhenangst.

Nach der Idagrotte geht es weiter, nun sind das Schrammsteinmassiv das Ziel. Dieses haben wir vorgestern vom Panorama der Affenfelsen schon gesehen, diesmal werden wir also die Affenfelsen vom anderen Ufer sehen. Nachdem wir einige wirklich imposante Aussichten auf den Schrammsteinen genossen haben, schlägt Isa vor, nun nach Schmilka zu wandern -- einem Städtchen im Süden der Sächsischen Schweiz, dort das Wasser aufzufüllen und dann unten um das Gebirge zurück zur Boofe zu gehen. Hier erinnere ich sie an ihre eigene Erschöpfung und schlage stattdessen vor, zurück zur Mühle zu gehen, dort das Wasser aufzufüllen und dann zur Boofe zu gehen, was weniger spannend, aber auch kürzer und weniger anstrengend ist.

Wir wandern zurück zur Kirnitzsch und somit auch zur Hauptstraße hier. Nach einigen Metern treffen wir auf eine Bushaltestelle und heute sind wir auch früh genug, dass der letzte Bus noch nicht weggefahren ist. Die Bushaltestelle ist übrigens an einem einsamen Feld gelegen. Sie wird »Nasser Grund« genannt. Mir fällt kein Grund ein, warum der Bus hier jemals vorher gehalten haben mag.

Der Bus kommt und nimmt uns zur Neumannmühle mit, in der wir ein Eis und einen Kuchen essen und das Wasser auffüllen.

Zurück in der Boofe überprüft Isa den status quo der Fahrkarte. Leider lautet dieser auch nach mehrmaligen Ausleeren aller Rucksäcke und Taschen: »Entsorgt« Aua! Isa geht alternative Rückreisemöglichkeiten im Kopf durch, ich jedoch husche in einem unbeobachteten Blick um den Felsen und verwandele mich in: Garbage-Man!

Schneller als eine Windgemse läuft Garbage-Man den Lorenzberg herunter zur Neumannmühle herunter -- läuft er noch, fliegt er schon? Unten angekommen wendet er seinen Jediblick bei drei abwaschenden Frauen an: »Ich bin Garbage-Man. Ich muss im Müll wühlen.« Zwei üben sich in Ignoranz, die dritte ist aber anfällig für die Jedikräfte und so erzähle ich ... Quatsch, erzählt Garbage-Man ihr von der Fahrkartenrettungsaktion. Nach kurzem Zögern gehen wir zum Müllcontainer, die roten Säcke der Zimmer sind mit grünen Säcken umverpackt, Garbage-Man öffnet den ersten und erkennt anhand der Ohrenreinigungsstäbchen, dass er falsch ist, er öffnet den zweiten und -- hält den Fahrschein in der Hand! Überschwänglich, aber aufgrund des Schweißes nur von fern umarmt Garbage-Man die gute Frau nahezu und läuft, nein fliegt wieder zurück zur Boofe auf dem Lorentzstein. ... hier holt er zwei Mal tief Luft und -- aus Garbage-Man wird wieder Normalo-Gasher.

Ich sage Isa, dass ich nur kurz die Beine vertrat, als Garbage-Man vorbei kam und mir diese Fahrkarte in die Hand drückte. Die verdutzte Isa ist Garbage-Man praktisch unendlich dankbar, so dankbar jedenfalls, dass sie nun zur Feier des Tages eine Dose Kinder-Ravioli (ohne Fleisch) erwärmen will. Da fällt uns ein, dass wir keinen Dosenöffner haben ... oder vielleicht in diesem Rucksack? Ich blicke wieder auf und -- Isa ist verschwunden. Statt ihrer hockt vor mir, die Ravioli-Dose zwischen die Beine geklemmt: Can-Cavegirl! Mit Hammer und Meißel öffnet sie peu a peu die Dose und je genauer ich gucke, desto deutlicher wird, dass der Meißel das Messer ist und der Hammer eine Taschenlampe ... fasziniert schaue ich Can-Cavegirl zu -- sie verstünde sich sicher prächtig mit Garbage-Man, denke ich. Als sie nach wahnwitzig kurzer Zeit die Dose geöffnet hat, verschwindet sie praktisch sofort und Isa ist zurück. Ich versuche ihr, diese Begegnung mit Cancave-Girl zu beschreiben, doch fehlen mir die Wörter ... dafür macht Isa nun die Ravioli mit dem Campingkocher heiß und endlich und nun zur doppelten Feier des Tages gibt es leckerste Kinderravioli mit Ausblick über die ganze Welt! Wenn es jetzt noch blitzen würde ...

Am Horizont blitzt es. Immer und immer wieder. Und es grollt auch von fern. Und es blitzt wieder. Und ich stehe an der Felskante und putze meine Zähne. Mit einer elektronischen Zahnbürste. Rrrrrrr Blitz Groll Rrrrrr. Pure Epik.

Die Bäume in der Umgebung wiegen sich im Wind und ich bemerke, dass die Boofe nicht nur wasserfest ist, sondern auch windstill und doch nicht stickig. In Schlafsäcke gekuschelt schlummern Isa und ich ein .. mehr oder weniger, denn das Gewitter kommt näher und wird entsprechend lauter. Ich zähle die Entfernung, 343 m/s, es blitzt, 21 22 23 und es donnert: Das Gewitter ist also rund einen Kilometer entfernt. Glücklicherweise kommt es nicht noch näher, sondern entfernt sich wieder und verstummt schließlich, sodass ich irgendwann doch noch einschlafe.


Montag, 28. Juli 2014

Die Sonne geht auf dieser Seite des Großen Lorenzsteins auf, allerdings wird ihre Lichtquelleneigenschaft durch winzige schwebende Wassermoleküle angenehm gedämpft. Anders gesagt: Es ist neblig.

Wir frühstücken mit allem, was dazu gehört, auch Tee ist wieder mit von der Partie. So langsam wird aber das Wasser knapp und dummerweise haben wir uns nicht gemerkt, wann die Busse fahren.

Unser Plan ist deshalb folgender: Wir packen einen Rucksack mit Proviant und leeren Wasserflaschen zusammen und gehen zur Neumannmühle. Hier füllen wir die Wasserflaschen auf, gehen aufs Klo und sehen nach den Abfahrtszeiten. Das klingt nach einem guten Plan und so gehen wir wieder den Berg hinab zur Neumannmühle.

Es ist Montag und am Montag hat sie erst ab 17 Uhr geöffnet. Auch das Klo ist geschlossen, nicht einmal das Wasser können wir auffüllen. Der vormals gute Plan ist vielleicht doch nicht so gut. Immerhin spicken wir beim Busfahrplan und sehen, dass die Busse um 14.53 Uhr und 16.53 Uhr fährt. Wenn wir letzteren nehmen, sind wir um 17.28 Uhr beim Bahnhof in Bad Schandau. Hier fährt -- laut Fahrkarte -- der Zug um 18.17 Uhr.

Wir sind körperlich geschafft und überlegen das weitere Vorgehen. Wir brauchen Wasser. Wir müssen aufs Klo. Die Mühlen werden alle noch geschlossen haben, also probieren wir unser Glück beim Zeughaus.

Das Zeughaus ist die einzige Gaststätte in der Sächsischen Schweiz. Hier gibt es immer Wasser, sanitäre Anlagen und auch praktische Dinge für den Notfall, kurz: Zeug. Das Zeughaus ist nicht allzu weit entfernt und auf ebenen befestigten Wegen zu erreichen. Dort angekommen macht es zunächst den Eindruck eines gewöhnlichen Gasthauses. Wir bemerken das leckere Kuchenangebot, füllen unsere Wasserflaschen wieder auf, gehen aufs Klo und weiter geht's zu einem weiteren Raubschloss -- unserem einzigen Ziel für heute bislang und wenn wir mal ehrlich sind, ist so ein Raubschloss doch eigentlich nichts Besonderes.

Dieses hier schon. Es lässt sich bis oben erklimmen, wobei man zwischenzeitlich einige Meter mit einer senkrecht stehenden Leiter zurücklegt, um nur eine von zahlreichen Hürden zu nennen. Dafür ist von diesem Raubschloss noch ein Raum erhalten und auch die eigene Schatzkammer. Die Informationstafel ist vorbildlich und der Ausblick wunderbar. Trotzdem: Die letzten Tage machen sich doch bemerkbar.

Nach dem Abstieg ist uns nicht nach einem weiteren Mammutmarsch zumute. Stattdessen gehen wir einfach zum Zeughaus zurück und essen dort Kuchen und ich trinke eine heiße Schokolade dazu.

Nach dieser Vorspeise geht es zurück zur Boofe. Auch dieser Weg zurück ist relativ anstrengend. Oben packen wir alles zusammen, machen uns einen letzten Tee und gehen gegen 16.15 Uhr zurück zur Neumannmühle, um keinesfalls den Bus zu versäumen.

Gegen 16.45 Uhr kommen wir bei der Mühle an, die noch immer geschlossen ist. Trotzdem sind wir nicht die einzigen Wartenden an der Bushaltestelle. Der Bus kommt recht pünktlich und bringt uns zurück zum Bahnhof Bad Schandau. Hier haben wir nun eine knappe Stunde Zeit, bis der Eurocity-Zug zurück abfahren soll. Er verspätet sich laut Anzeige um 40 Minuten, aber mit all den Erinnerungen der letzten Tage -- ist mir das egal.
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